Heute habe ich meinen Faserlein ausgesät. Wie im letzten Jahr arbeite ich wieder im kleinen Maßstab als Teil des Projektes 1 qm Lein.
Neu ist in diesem Jahr, dass ich zwei verschiedene Sorten anbaue.
Warum zwei Sorten
Ein 2 qm großes Beet wird mit Saatgut aus dem letzten Jahr bestellt. Dabei handelt es sich um die Sorte Christine, die ich selbst vermehrt habe. Mich interessiert vor allem, wie sich dieses Saatgut im zweiten Jahr entwickelt und ob sich Unterschiede im Wachstum zeigen. Vor allem da ich aus Platzmangel den gleichen Standort verwenden muss. Einen Teil des Beetes hatte ich nach der Ernte noch mit Gründungung eingesät, den anderen Teil mit Färberknöterich bepflanzt. Wird das einen sichtbaren Unterschied machen?
Zusätzlich säe ich auf einem Quadratmeter eine historische Sorte aus. Hier steht weniger der direkte Vergleich im Vordergrund, sondern die Beobachtung unter dokumentierten Bedingungen. Beide Beete werden gleich behandelt, sodass sich Entwicklungen möglichst gut nachvollziehen lassen.
Citizen Science Projekt
Die historische Sorte „Blaublühender Hohenheimer“ baue ich im Rahmen eines Citizen Science Projekts an. Ziel ist es, gemeinsam Daten zu alten Flachssorten zu sammeln und festzustellen, wie diese mit unserem Klima in unterschiedlichen Teilen Deutschlands zurechtkommen.
Dafür werde ich die einzelnen Schritte im Anbau dokumentieren. Dazu gehören unter anderem Standort, Bodenbeschaffenheit, Aussaatzeitpunkt, Keimung, Wuchsverlauf und Ernte. Die Ergebnisse stelle ich dem Projekt anschließend zur Verfügung.
So kann ich mithelfen die alten Kultursorten besser zu verstehen und wieder in unsere Gärten zurückzuholen. Für mich ist es also nicht nur praktische Erfahrung und ein direkter Vergleich von zwei verschiedenen Sorten, sondern auch ein kleiner Beitrag zum Erhalt und zur besseren Kenntnis dieser alten Sorte.
Vorbereitung der Beete
Vor der Aussaat habe ich die Beete zunächst von Unkraut befreit. Anschließend wurde der Boden mit der Hacke aufgelockert, sodass eine möglichst feinkrümelige Struktur entsteht.
Gerade für die feinen Leinsamen ist ein gut vorbereiteter Boden wichtig, damit sie gleichmäßig auflaufen können. Grobe Erdklumpen habe ich dabei möglichst zerkleinert und die Oberfläche anschließend leicht geglättet.
Reihen abmessen
Nach der Vorbereitung habe ich die Reihen mit einem Zollstock abgemessen. Der Abstand liegt bei etwa 7 bis 8 cm.


So entstehen gleichmäßige Reihen, die später nicht nur die Pflege erleichtern, sondern auch einen besseren Überblick über den Aufwuchs ermöglichen. Die Linien habe ich leicht in die Erde gezogen, sodass die Aussaat gezielt erfolgen kann.
Aussaat
Die Samen habe ich gleichmäßig in die vorbereiteten Reihen ausgestreut. Dabei achte ich darauf, nicht zu dicht zu säen, damit die Pflanzen später genügend Platz haben, sich zu entwickeln.

Da die Samen sehr fein sind, erfolgt die Aussaat ruhig und möglichst gleichmäßig aus der Hand.
Bedecken und Andrücken
Nach der Aussaat habe ich die Samen vorsichtig mit Erde bedeckt. Dabei reicht eine dünne Schicht aus, da es sich um Lichtkeimer handelt.

Anschließend wurde die Fläche mit dem Rechen leicht angedrückt. So entsteht ein guter Bodenschluss, der die Keimung unterstützt.
Gießen
Da der Boden zum Zeitpunkt der Aussaat trocken und das Wetter warm war, habe ich die Beete vorsichtig angegossen. Wichtig ist dabei, die Erde gleichmäßig zu befeuchten, ohne die Samen auszuspülen.
Schutz durch ein Netz
Zum Abschluss habe ich ein Netz über die Beete gespannt. In unserem Garten sind regelmäßig Katzen unterwegs, die frisch bearbeitete Erde gerne als Liege- oder Buddelplatz nutzen.

Das Netz schützt die Aussaat in den ersten Tagen, bis die Pflanzen ausreichend angewachsen sind.
Ausblick
Damit ist die Aussaat für dieses Jahr abgeschlossen. In den kommenden Wochen werde ich die Keimung und das Wachstum der beiden Sorten beobachten und dokumentieren.
Besonders interessant wird sein, ob sich Unterschiede zwischen dem eigenen Saatgut und der historischen Sorte zeigen.
