Nicht zu Ende gewebt – Tag 75 der 100 Tage Weben Challenge

Es ist stiller geworden.

Nicht im Außen. Der Webrahmen steht noch immer am gleichen Platz, die Fäden spannen sich wie zuvor, Tag für Tag. Aber etwas hat sich verschoben. Die ersten Wochen dieser Challenge waren getragen von Neugier, von dem Wunsch, möglichst viel auszuprobieren, alles einmal anzufassen. Jetzt, an Tag 75, fühlt es sich anders an.

Weniger nach Anfang. Mehr nach Weg.

Ich arbeite weiter. Täglich. Und doch ist in den letzten Wochen weniger entstanden, als ich erwartet hätte. Weniger Stücke, weniger Ergebnisse, weniger von dem, was sich zeigen lässt. Und vielleicht liegt genau darin der eigentliche Teil dieser Challenge. In dem, was nicht fertig geworden ist.

Der Versuch mit der verschlungenen Kette begann aus etwas, das gut funktioniert hat.

Die Arbeit mit einem verschlungenen Schuss hatte mir viel Freude gemacht. Die Bewegung, das Ineinandergreifen der Fäden, die lebendige Struktur. Es lag nahe, diesen Gedanken weiterzuführen.

Aber die Kette folgt eigenen Regeln.

Schon beim Aufziehen wurde es kompliziert. Die Fäden dicht, die Struktur fest, kaum Spielraum. Im Gewebe selbst verlor sich dann das, was ich eigentlich sichtbar machen wollte. Die Zweifarbigkeit trat zurück, verschwand zwischen den Schichten.

Ich habe verschiedene Schussgarne ausprobiert, verändert, angepasst.

Es blieb dabei. Das Stück ist fertig geworden. Aber es zeigt nicht das, was ich darin gesucht habe. Und das reicht.

Die Schlingentechnik kam eher zufällig.

Ein Versuch, etwas Neues einzubauen, mit einer Häkelnadel, Reihe für Reihe kleine Schlaufen zu ziehen, die sich in das Gewebe legen sollten. Im Kopf war das Bild klar. Eine lebendige Oberfläche, weich, fast ein wenig verspielt.

In der Umsetzung blieb vor allem eines zurück: lose Fäden. In jeder Reihe neue Enden, die später hätten vernäht werden müssen. Zu viele, um sie wirklich verschwinden zu lassen.

Ich habe weiterprobiert. Am gleichen Stück eine Variante gesucht, die weniger Fäden produziert. Und ja, es wurde besser. Kontrollierbarer. Machbar.

Aber während ich noch daran arbeitete, war die Entscheidung eigentlich schon gefallen.

Dieses Stück bleibt, wie es ist.

Das Bandweben war ein anderer Versuch.

Ein schmaler Streifen, gespannt zwischen mir und dem Geländer. Der Webkamm selbstgedruckt, eine einfache Lösung, schnell umgesetzt. Es hätte funktionieren können.

Aber die Spannung ließ sich nicht halten.

Mal zu fest, dann wieder zu locker. Die Kanten unruhig, das Gewebe begann sich während des Arbeitens zu drehen. Ich habe neu angesetzt, Fäden gelöst, wieder gespannt, noch einmal von vorn begonnen.

Mehrfach.

Und mit jedem Versuch wurde klarer, dass es nicht an der Technik selbst lag, sondern an dem, was ihr gefehlt hat. Ein stabiler Rahmen, der die Spannung trägt, ohne dass ich sie ständig ausgleichen muss.

Ich habe hier aufgehört.

Vielleicht komme ich darauf zurück. Mit einem anderen Werkzeug. Unter anderen Bedingungen.

Gerade arbeite ich an einem runden Webstück.

Ein Metallreif, gespannt, vertraut. Es ist nicht das erste dieser Art. Vielleicht liegt genau darin der Unterschied. Die Handgriffe sitzen, die Abläufe sind klarer, ohne dass ich viel darüber nachdenken muss.

Und diesmal funktioniert es.

Die Fäden liegen ruhig, die Form entwickelt sich gleichmäßig. Es ist kein spektakuläres Stück. Aber eines, das sich richtig anfühlt während des Entstehens.

Nicht alles wird weitergeführt. Manche Ansätze enden einfach dort, wo sie stehen. Ich lasse sie liegen. Ich sehe die Stücke anders.

Weniger als fertige Arbeiten. Mehr als Spuren von Entscheidungen. Von Richtungen, die ich eingeschlagen und wieder verlassen habe. Noch sind es 25 Tage.

Als Nächstes möchte ich mit Steinen arbeiten. Mit Materialien, die sich nicht einfach einfügen. Die ihren eigenen Widerstand mitbringen.

Ich bin neugierig, wie sich das anfühlen wird. Und was davon bleibt.

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