Pflanzenfärbung mit Mädchenauge und Schwefelkosmee. Zwei Färbeversuche aus meinem Färbergarten

Im letzten Artikel habe ich mit Tagetes gefärbt. Ein Versuch zwischen Skepsis und Neugier. Am Ende stand kein klares Ja und kein Nein, sondern eine offene Frage. Darf diese Pflanze bleiben oder wächst sie in meinem Garten nur aus Gewohnheit?

Der Vorrat an getrockneten Blüten aus dem vergangenen Sommer bietet mir die Gelegenheit, diese Entscheidung nicht vorschnell zu treffen. Bevor ich neu säe, möchte ich verstehen, was die einzelnen Pflanzen tatsächlich leisten. Nicht theoretisch. Nicht aufgrund von Farbkarten. Sondern auf meiner eigenen Wolle.

Nach der Tagetes habe ich deshalb zwei weitere Sommerblüher getestet. Mädchenauge und Schwefelkosmee. Beide getrennt voneinander.

Diesmal ging es mir nicht um eine ausführliche Anleitung, sondern um eine klare Beobachtung. Welche Farbe entsteht wirklich. Und welche Stimmung bringt sie mit.

Zwei Pflanzen, zwei Farbbäder

Für beide Färbungen habe ich die gleichen Rahmenbedingungen gewählt wie zuvor bei der Tagetes. Vier Stränge handgesponnene Eiderwolle, insgesamt etwa 100 Gramm. Getrocknete Blüten im Verhältnis eins zu eins zum Wollgewicht.

Auch die Beize blieb unverändert. Alaun, ruhige Temperaturführung, ausreichend Zeit für die Faser. Auf eine Eisenmodifikation habe ich bewusst verzichtet. Nach dem letzten Versuch wollte ich diesmal wissen, welche Farbe die Pflanzen ganz für sich allein entwickeln.

Wer sich für die botanischen Hintergründe oder die färbenden Inhaltsstoffe interessiert, findet die ausführlichen Einträge im Färberpflanzen Lexikon. Dort habe ich beide Arten detailliert beschrieben. Hier soll es vor allem um das gehen, was im Topf und später auf der Wolle sichtbar wurde.

Mädchenauge. Zwischen Erwartung und Ernüchterung

Schon der Farbsud des Mädchenauges wirkte anders, als ich es mir erhofft hatte. Während ich bei den orangegelben Blüten innerlich mit warmen, leuchtenden Tönen gerechnet hatte, zeigte sich im Topf ein deutlich brauner Ansatz.

Als ich die Wolle in das Bad legte, verstärkte sich dieser Eindruck. Die Farbe entwickelte sich schnell in Richtung Dunkelbraun. Noch im nassen Zustand war für mich spürbar, dass dieses Ergebnis vermutlich nicht meinem Farbempfinden entsprechen würde.

Auch nach dem Trocknen änderte sich daran wenig. Der Ton hellte etwas auf, verlor die Schwere des nassen Zustands, blieb jedoch in einem zurückhaltenden, leicht grünlich wirkenden Mittelbraun.

Die Färbung ist gleichmäßig und technisch betrachtet gelungen. Begeisterung löst sie bei mir allerdings nicht aus. Vielleicht liegt es an meiner Erwartung. Vielleicht an der Kombination mit genau dieser Wolle.

Schwefelkosmee. Die Farbe, die ich erwartet habe

Ganz anders verhielt sich die Schwefelkosmee.

Schon der Farbbad zeigte ein klares, warmes Orange. Nicht bräunlich gebrochen, sondern leuchtend und eindeutig in seiner Richtung. Beim Einlegen der Wolle bestätigte sich dieser Eindruck sofort. Die Faser nahm die Farbe ruhig und gleichmäßig an.

Im nassen Zustand wirkte der Ton kräftig, beinahe intensiv. Nach dem Trocknen blieb ein satter Orangeton zurück, warm und voll, ohne ins Rötliche zu kippen.

Genau diese Farbigkeit hatte ich mir von einer sommerlichen Korbblütlerin erhofft. Sie wirkt lebendig, aber nicht grell. Präsenz ist da, ohne aufdringlich zu sein.

Im direkten Erleben fühlt sich diese Farbe stimmig an. Sie entspricht eher dem, was ich mir für meine Garne und späteren Gewebe wünsche.

Drei Pflanzen nebeneinander

Erst im direkten Nebeneinander wird deutlich, was diese Versuchsreihe eigentlich zeigt.

Die Tagetes brachte ein klares Gelb hervor und durch die Eisenmodifikation ein gedämpftes Grün. Zwei Töne, die sich deutlich voneinander unterscheiden und doch miteinander arbeiten.

Das Mädchenauge fügt ein zurückhaltendes, leicht grünlich wirkendes Braun hinzu. Kein spektakulärer Farbton, eher ein stiller Hintergrund.

Die Schwefelkosmee setzt dazu ein sattes Orange. Warm. Voll. Selbstbewusst.

Für sich allein betrachtet hätte mich das Mädchenauge vermutlich nicht überzeugt. Im Zusammenspiel jedoch bekommt auch dieser Ton eine Funktion. Er verbindet, nimmt Spannung heraus, schafft Tiefe.

Gerade dieses Nebeneinander macht deutlich, dass die Entscheidung für oder gegen eine Pflanze nicht nur vom Einzelton abhängt. Manchmal entsteht der eigentliche Wert erst im Zusammenspiel.

Fazit. Nicht jede Farbe muss ein Lieblingsfarbton sein

Dieser Versuch hat mir vor allem eines gezeigt. Farben lassen sich nicht nur technisch beurteilen. Am Ende spielt immer auch die eigene Wahrnehmung eine Rolle.

Persönlich fühle ich mich stärker zu kühlen, ruhigen Farbtönen hingezogen. Grau, Grün und Blau bilden die Farbwelt, die mich beim Spinnen, Färben und später auch beim Weben am meisten anspricht. Die Ergebnisse aus diesem Versuch liegen eigentlich etwas außerhalb dieser Vorlieben.

Und doch haben mich die gefärbten Stränge nebeneinander überrascht. Zusammen mit dem Gelb und dem gedämpften Grün aus der Tagetesfärbung entsteht ein Bild, das stark an Herbstlaub erinnert. Alterndes Grün, sanftes Gelb, warmes Orange und das stumpfe Braun des Mädchenauges. Farben, die für sich allein unterschiedlich wirken, im Zusammenspiel jedoch eine stimmige Palette ergeben.

Für meinen Färbergarten bedeutet das eine einfache Entscheidung. Mädchenauge, Schwefelkosmee und auch die Tagetes dürfen bleiben. Allerdings eher als Ergänzung und nicht als Hauptdarsteller.

Der Schwerpunkt meines Gartens wird weiterhin bei den Pflanzen liegen, deren Farben meiner eigenen Farbwelt am nächsten kommen. Aber gerade die kleinen Abweichungen machen einen Färbergarten lebendig. Sie erweitern den Blick und bringen manchmal genau die Nuancen hervor, die man vorher gar nicht gesucht hat.

Auch in den kommenden Monaten werde ich weiter mit den Pflanzen aus meinem Garten färben und beobachten, wie sich Farben, Mengen und Kombinationen entwickeln. Der Färbergarten ist für mich kein fertiges Konzept, sondern ein Prozess. Und genau darüber werde ich hier im Blog und im Newsletter weiter berichten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert