Jahresrückblick 2025 und mein ganz persönliches Wort des Jahres 2026

Manche Texte entstehen aus einem konkreten Anlass, andere aus einem längeren inneren Prozess. Dieser hier gehört zur zweiten Sorte. Er ist Rückblick und Ausblick zugleich, eine Sammlung von Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr und der Versuch, daraus eine Haltung für das kommende zu formulieren.
Ich nehme dich mit durch mein Jahr 2025, erzähle davon, wie Wildfarbendesign gewachsen ist, welche Herausforderungen und Erkenntnisse mich begleitet haben und warum sich daraus für 2026 das Wort Einklang ergeben hat. Es geht um mein Arbeiten, um Material, um Natur und um die Frage, wie all das miteinander in Beziehung stehen kann, ohne sich gegenseitig zu überfordern.

Ankommen im Rückblick

2025 war ein Jahr des Anfangens. Nicht laut und nicht geradlinig, sondern Schritt für Schritt, oft tastend und manchmal überfordernd, getragen von dem Wunsch, etwas Eigenes entstehen zu lassen. Mit geringen finanziellen Mitteln und weitgehend auf mich allein gestellt habe ich begonnen, Wildfarbendesign aufzubauen. Eine eigene Website, ein Feld, von dem ich zuvor kaum wusste, wie es überhaupt funktioniert. Seiten anlegen, Inhalte ordnen, Entscheidungen treffen, ohne Erfahrung und ohne Sicherheitsnetz.

Der erste Verkauf lief über Natuja, einen Onlinemarktplatz, der mir den Einstieg erleichtert hat und der am Ende doch wieder verschwand. Auch das gehört zu diesem Jahr. Dinge beginnen und Dinge wieder loslassen müssen, ohne zu wissen, was danach kommt.

Neu war auch der Linoldruck. Zunächst als kleine Grußkarten gedacht, eher als Versuch denn als Plan. Daraus entwickelten sich Wanddrucke, Motive im Rhythmus der Jahreszeiten, Beobachtungen aus dem Garten und markante Blätter unserer Zimmerpflanzen. Am Ende stand ein Jahreskalender. Ein erstes größeres Projekt, das gezeigt hat, dass aus vorsichtigen Anfängen etwas Tragfähiges wachsen kann.

Ein zentrales Thema war das Projekt 1 Quadratmeter Lein. Was überschaubar begann, entpuppte sich als Wendepunkt. Der Anbau auf kleinem Raum, die Freude am Wachstum und die Frage, was es bedeutet, Material von Beginn an zu verstehen. Dieses Projekt hat mich zum Spinnen und schließlich auch zum Weben geführt. Nicht als fertige Könnerschaft, sondern als Lernweg, der sich organisch ergeben hat.

Parallel dazu wuchs der Färbergarten. Pflanzen anbauen, beobachten, ernten, färben und dokumentieren. Daraus entstand das Färberpflanzen Lexikon, ein Projekt, das Zeit verlangt und Geduld und mir immer wieder gezeigt hat, wie viel Wissen im langsamen Hinschauen liegt.

2025 war auch das Jahr, in dem ich begonnen habe zu schreiben. Einen Blog, einen Newsletter, Worte für das zu finden, was ich tue und warum ich es tue. Sichtbarkeit zu suchen, obwohl mir das nicht leichtfällt. Und gegen Ende des Jahres dann noch ein großer Schritt, der eigene Onlineshop, notwendig geworden durch die Schließung von Natuja. Wieder neu, wieder lernen, wieder Verantwortung übernehmen.

All das geschah neben dem Wunsch, möglichst viel mit den Händen zu arbeiten, und neben der Notwendigkeit, sichtbar zu sein, um langfristig wenigstens kostendeckend arbeiten zu können. Ein Spannungsfeld zwischen Bildschirm und Werkbank, zwischen Marketing und Material, zwischen Idee und Umsetzung, das mich durch das ganze Jahr begleitet hat.

Rückblickend war 2025 intensiv. Reich an Erfahrungen, reich an neuen Fähigkeiten, aber auch fordernd. Ein Jahr, das viel verlangt und viel geschenkt hat und aus dem langsam eine Sehnsucht nach Stimmigkeit gewachsen ist. Nach einem Arbeiten, das nicht ständig zieht und zerrt, sondern trägt.

Vom Ringen zur Klarheit

Nach außen war 2025 ein Jahr des Aufbaus. Neue Projekte, neue Formate, neue Wege. Nach innen war es oft ein leises Ringen. Kein dramatisches, aber ein stetiges. Ein Ziehen zwischen dem, was notwendig erschien, und dem, was sich richtig anfühlte.

Ich habe viel gelernt in diesem Jahr, technisch, handwerklich, organisatorisch. Gleichzeitig habe ich gemerkt, wie leicht man sich verliert, wenn alles gleichzeitig Aufmerksamkeit fordert. Website, Shop, Inhalte, Sichtbarkeit und daneben die Arbeit mit den Händen, die eigentlich der Kern von allem ist. Das, was erdet und trägt.

Es gab Momente, in denen ich funktionierte, aber nicht mehr ganz bei mir war. Die Tage waren voll, die Gedanken auch und trotzdem fehlte etwas Wesentliches. Nicht Erfolg oder Wachstum, sondern Stimmigkeit. Das Gefühl, dass das, was ich tue, in einem guten Verhältnis steht. Zu meinem Tempo, zu meiner Energie, zu dem Material, mit dem ich arbeite.

Diese Erkenntnis kam nicht plötzlich. Sie hat sich langsam herausgeschält, aus Müdigkeit, aus Überforderung, aber auch aus den stillen, guten Momenten. Beim Arbeiten im Garten, beim Spinnen eines Fadens, der nur dann hält, wenn die Spannung stimmt, beim Drucken, wenn Farbe, Druck und Papier zusammenfinden. Immer wieder zeigte sich dasselbe. Wenn zu sehr gezogen oder gedrückt wird, verliert etwas seine Qualität.

Gegen Ende des Jahres wurde klar, dass ich für 2026 kein Wort suche, das antreibt oder fordert. Keinen lauten Begriff, keinen, der nach mehr ruft. Sondern einen, der ordnet und verbindet, der erlaubt, Dinge nicht gegeneinander auszuspielen. Handwerk und Sichtbarkeit, Lernen und Zeigen, Arbeit und Ruhe.

So ist Einklang entstanden. Nicht als Ziel, das erreicht werden muss, sondern als Haltung. Als Einladung, genauer hinzuhören und wahrzunehmen, wo etwas mitschwingt und wo es reibt. Und als bewusste Entscheidung, den eigenen Rhythmus ernst zu nehmen.

Was bedeutet Einklang

Der Begriff Einklang stammt aus der Musik und beschreibt das Zusammenklingen von Tönen, die sich nicht widersprechen. Es geht nicht um Gleichförmigkeit, sondern um ein stimmiges Verhältnis. Übertragen bedeutet Einklang mehr als Harmonie im oberflächlichen Sinn. Er beschreibt einen Zustand, in dem verschiedene Elemente aufeinander abgestimmt sind. Zeit, Kraft, Material, Entscheidung.

Einklang ist dabei nichts Statisches. Er verändert sich, je nachdem, was hinzukommt oder wegfällt, und verlangt Aufmerksamkeit und Bereitschaft zum Nachjustieren. Für mich verbindet dieses Wort innere Haltung und äußeres Tun. Es beschreibt, wie ich arbeiten möchte, wie ich lerne und wie ich mit Material und Natur in Beziehung trete. Hörend, reagierend, nicht beschleunigend.

Einklang ist kein Versprechen auf Leichtigkeit, aber ein Versprechen auf Stimmigkeit.

Einklang mit mir

Im vergangenen Jahr habe ich gemerkt, wie schnell ich dazu neige, vieles gleichzeitig zu wollen. Projekte, Möglichkeiten, Aufgaben. Daraus entsteht leicht ein innerer Druck, der wenig mit Freude zu tun hat. 2025 hat mir deutlich gezeigt, wie sehr ein solches Arbeiten gegen mich selbst gehen kann, auch dann, wenn die Richtung stimmt.

Einklang mit mir zu suchen bedeutet nicht, plötzlich sicher oder unangreifbar zu sein. Es bedeutet, den Herausforderungen des Alltags nicht mit ständigem Zweifel zu begegnen, sondern mit einer wachsenden Zuversicht. Zu akzeptieren, dass Lernen Zeit braucht und dass Unsicherheit kein Mangel ist, sondern Teil des Prozesses.

Wenn ich im Einklang mit mir arbeite, darf ich langsamer werden, Pausen zulassen und Entscheidungen treffen, die nicht dem lautesten Ruf folgen, sondern dem stimmigeren. Es geht darum, mich nicht permanent zu übergehen, um Erwartungen zu erfüllen, weder meine eigenen noch die von außen.

Eine für mich neue aber schon sehr lieb gewonnene Tätigkeit: das Spinnen am Spinnrad.

Gelassenheit entsteht dabei nicht durch Rückzug, sondern durch Vertrauen. Vertrauen darauf, dass Fähigkeiten wachsen dürfen, dass Fehler dazugehören und dass vieles bereits vorhanden ist, auch wenn es sich nicht immer so anfühlt. Einklang mit mir heißt für 2026, mir selbst eine verlässlichere Begleiterin zu werden, offen, lernend und bereit, bei mir zu bleiben.

Einklang mit dem Material

Material ist für mich kein neutraler Ausgangspunkt. Es ist der Anfang von allem. Wer mit Pflanzenfarben, Naturfasern und textilen Techniken arbeitet, lernt schnell, dass Material sich nicht beliebig formen lässt. Lein wächst nach Jahreszeit, Pflanzen färben nach Reife, Fasern lassen sich nur verspinnen, wenn Spannung und Geduld zusammenkommen.

Hier verarbeite ich gerade meinen selbst angebauten Faserlein zu spinnbarem Flachs.

Das Arbeiten mit Lein, das Spinnen und Weben haben mir gezeigt, dass Tempo nicht verhandelbar ist. Widerstand im Material ist kein Hindernis, sondern ein Hinweis. Einklang mit dem Material bedeutet, mich nicht darüber zu stellen. Ideen dürfen warten, wenn das Material etwas anderes verlangt. Prozesse lassen sich nicht beschleunigen, ohne an Qualität zu verlieren.

In dieser Haltung liegt für mich die Rolle der textilen Naturhandwerkerin. Materialien sind Beziehungspartner, Wissen entsteht im Tun und im Wiederholen, nicht im Voraus. Für 2026 heißt das, mich an dem zu orientieren, was Pflanzen, Fasern und Textilien gerade zulassen. Nicht um weniger zu schaffen, sondern um das Richtige zu tun.

Einklang mit der Natur

Mit der Natur zu arbeiten bedeutet, Zeit anders zu verstehen. Nicht als etwas, das gefüllt werden muss, sondern als Rahmen, in dem Dinge entstehen dürfen. Der Garten zeigt das jedes Jahr aufs Neue. Pflanzen wachsen nach Witterung, Licht und Boden, nicht nach Plan.

Der erneute Anbau von Färberpflanzen, das Beobachten ihres Wachstums, das Warten auf den richtigen Zeitpunkt machen deutlich, dass Beschleunigung immer etwas kostet. Auch der Lein, der auf wenigen Quadratmetern wächst und 2026 erneut angebaut wird, steht für diese Haltung. Natur ist hier keine Kulisse, sondern aktive Mitgestalterin.

Einklang mit der Natur heißt, diese Bedingungen als Orientierung zu begreifen. Jahreszeiten werden Teil der Planung, Ruhezeiten notwendige Phasen. Nicht alles ist jederzeit möglich und genau darin liegt eine große Entlastung.

Ausblick auf 2026

2026 steht für mich unter dem Zeichen von Wirkung, nicht von Wachstum. Die Themen dieses Jahres ordnen sich dieser Haltung unter. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Spinnen von Naturgarnen, als vertiefende Auseinandersetzung mit Faser, Spannung und Zeit. Lernen steht im Vordergrund, nicht Ergebnisdruck.

Daran schließt sich das Weben mit eigenen Garnen und Naturmaterialien an, langsam, tastend und bewusst als Lernprozess. Auch der Anbau von Färberpflanzen und das Arbeiten mit Pflanzenfarben bleiben zentral. Wissen entsteht hier aus Beziehung, nicht aus Rezepten.

Blog und Newsletter wachsen weiter, nicht in Frequenz, sondern in Tiefe. Wissen weiterzugeben ist gleichwertig mit dem Herstellen von Produkten. Verkauf bleibt notwendig, aber er steht nicht über allem. Bedeutung ist der Maßstab, nicht Taktung.

So entsteht ein Arbeitsjahr aus zusammenhängenden Prozessen. Spinnen, Weben, Färben, Schreiben greifen ineinander und folgen demselben Grundsatz. Ich arbeite im Einklang mit Material, Zeit und meiner Energie.

Fazit

Einklang ist kein Plan und kein Versprechen. Es ist eine Haltung, die Orientierung gibt, wenn vieles möglich wäre, aber nicht alles sinnvoll ist. Für 2026 wünsche ich mir ein Arbeiten, das verbindet, statt anzutreiben. Entscheidungen dürfen langsamer werden, Prozesse tiefer, nicht aus Rückzug, sondern aus Klarheit.

Einklang bedeutet aufmerksam zu bleiben, wahrzunehmen, wann etwas trägt und wann es nur zieht. Dem eigenen Maß zu folgen, auch wenn es leiser ist als das Außen. Und anzuerkennen, dass gutes Arbeiten Zeit braucht.

Vielleicht hast auch du ein Wort, das dich durch das kommende Jahr begleiten möchte.
Ein Wort, das nichts fordert, sondern erinnert.
Eines, das dich einlädt, genauer hinzuhören, statt schneller zu werden.

Wenn du magst, erzähl mir davon. Oder nimm es mit in dein eigenes Jahr und schau, was es in Bewegung bringt.

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