100 Tage Weben – die ersten Tage meines textilen Praxisprojekts

Am 22. Februar habe ich mein textiles Praxisprojekt begonnen. Hundert Tage lang möchte ich mich jeden Tag für eine Weile an den Webrahmen setzen. Ohne festen Plan, ohne ein konkretes Ziel am Ende. Einfach arbeiten, beobachten und sehen, was entsteht.

Die Idee dahinter habe ich bereits hier in einem früheren Artikel beschrieben. Dort erkläre ich, warum ich mich entschieden habe, dieses Projekt zu beginnen und wie ich es für mich umsetzen möchte.

Nach der ersten Woche fühlt sich das Ganze allerdings schon ein wenig anders an als in der Vorstellung. Weben ist ein langsamer Prozess. Strukturen entstehen nicht plötzlich, sondern wachsen Faden für Faden. Genau darin liegt vielleicht auch der besondere Reiz dieses Projekts.

Der Start am Webrahmen

Für mein erstes Projekt habe ich einen kleinen Schulwebrahmen verwendet. Das Format ist überschaubar, lässt aber dennoch genug Raum, um mit Struktur und Garnen zu experimentieren.

Ich habe mich für eine Art Wabenmuster entschieden. Ein Muster, das sich nicht schnell entwickelt. Jede Reihe erfordert Aufmerksamkeit. Die Fäden müssen gezählt werden, damit sich die Struktur gleichmäßig aufbaut. In den fünfzehn Minuten, die ich mir für jeden Tag vorgenommen habe, entstehen deshalb oft nur wenige Reihen.

Verwendet habe ich eine Mischung aus handgesponnenen Garnen und Makrameegarn. Ein Teil der Garne ist mit meiner Lieblingspflanze gefärbt, dem Rauen Sonnenhut. Das Grün wirkt ruhig und erdig und passt gut zu der eher klaren Struktur des Musters.

Diese Art zu arbeiten war für mich zunächst ungewohnt. Normalerweise bleibe ich an einem Stück, bis ein Abschnitt abgeschlossen ist. Mitten im Prozess aufzuhören und die unfertige Arbeit wieder wegzulegen fühlt sich zunächst fremd an.

Mit der Zeit hat sich aber etwas verändert. Durch die tägliche Wiederholung wächst das Gewebe langsam, aber stetig. Ich sehe jeden Tag ein kleines Stück mehr. Es zwingt mich, geduldiger zu arbeiten und genauer hinzusehen.

Am elften Tag war das erste Stück schließlich fertig. Etwa zwanzig mal dreißig Zentimeter groß. Ich konnte es vom Webrahmen lösen und aufhängen. Ein ruhiges, strukturiertes Wandobjekt aus Garn, Farbe und Zeit.

Handgewebtes Wandobjekt aus handgesponnener und pflanzengefärbter Wolle mit Wabenmuster auf einem Schulwebrahmen.
Mein erstes fertiges Stück aus dem 100 Tage Webprojekt.

Es ist nicht genau so geworden, wie ich es mir zu Beginn vorgestellt hatte. Aber genau das war die Idee dieses Projekts. Kein fester Plan. Stattdessen Raum für Entwicklung von Tag zu Tag.

Wie es weitergeht

Nach dem ersten größeren Webstück möchte ich in den kommenden Tagen mit kleineren Formaten weiterarbeiten. Ab Tag zwölf entstehen deshalb schmale Webarbeiten, die später als Lesezeichen verwendet werden können.

Das kleine Format hat einen praktischen Vorteil. Auf einer schmalen Fläche lassen sich unterschiedliche Strukturen und Muster ausprobieren, ohne gleich ein großes Stück zu planen. Im Grunde entstehen so kleine Musterstücke, die gleichzeitig einen Verwendungszweck haben.

Für diese Arbeiten werde ich ausschließlich meine handgesponnene Schafwolle verwenden. Ein Teil der Garne ist naturbelassen, andere habe ich mit Pflanzen gefärbt. Auch hier greife ich wieder auf Farben aus meinem Färbergarten zurück.

Wie sich diese kleinen Webstücke genau entwickeln werden, weiß ich im Moment noch nicht. Vielleicht entstehen ganz unterschiedliche Strukturen. Vielleicht wiederholen sich bestimmte Muster. Genau das ist ein Teil dieses Projekts: zu sehen, was sich aus dem täglichen Arbeiten heraus ergibt.

Was ich aus den ersten Tagen mitnehme

Die tägliche Praxis ist gleichzeitig das Schönste und das Herausforderndste an diesem Projekt. Jeden Tag bewusst Zeit dafür zu reservieren bedeutet auch, sich diese Zeit wirklich zu nehmen. Gerade im Alltag ist das nicht immer selbstverständlich.

Gleichzeitig merke ich, wie gut mir diese kleine, regelmäßige Arbeit am Webrahmen tut. Es entsteht ein ruhiger Rhythmus. Faden für Faden, Reihe für Reihe.

Vor allem eröffnet mir dieses Projekt einen Raum, in dem ich ohne Erfolgsdruck experimentieren kann. Ich kann beobachten, wie sich meine handgesponnene Wolle beim Weben verhält, welche Strukturen sich entwickeln und welche Ideen vielleicht doch nicht so funktionieren wie gedacht.

Genau darin liegt für mich der Wert dieser hundert Tage. Nicht jedes Stück muss perfekt sein. Manches wird gelingen, anderes vielleicht weniger. Aber jedes kleine Experiment erweitert mein Verständnis für das Material.

Und manchmal entsteht dabei, fast nebenbei, ein fertiges Stück, das meinen Alltag verschönert und an viele kleine tägliche Arbeitsschritte erinnert.

Das Projekt weiter begleiten

Die nächsten Wochen werden zeigen, wohin sich dieses Projekt entwickelt. Nach dem ersten Wandobjekt beginne ich nun mit kleineren Webstücken und neuen Mustern. Welche Formen und Strukturen dabei entstehen, wird sich erst im Laufe der Zeit zeigen.

Wenn du das Projekt weiter verfolgen möchtest, kannst du mich auf verschiedenen Wegen begleiten. Auf Instagram teile ich zweimal pro Woche Einblicke in den aktuellen Stand meiner Arbeit und in die kleinen Fortschritte am Webrahmen.

Hier im Blog werde ich etwa alle zwei Wochen ausführlicher über meine Erfahrungen berichten und einzelne Projekte näher vorstellen.

Auch in meinem Newsletter werde ich immer wieder über die Entwicklung dieses textilen Praxisprojekts schreiben, zusammen mit weiteren Einblicken in meine Arbeit mit Pflanzenfarben, Garnen und Handwerk.

Hast du selbst schon mal so ein Projekt durchgeführt, oder kannst dir das so gar nicht vorstellen? Hinterlasse mir gerne einen Kommentar, ich freue mich sehr, deine Meinung dazu zu hören.

Veröffentlicht am
Kategorisiert als Weben Verschlagwortet mit

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert